Welche Glühlampe verwende ich?
Welche künstliche Lichtquelle kann sichtbares Licht, UV-Licht und infrarotes Licht (oder Wärme) ausstrahlen?
Heutzutage ist die einzige Lichtquelle, die alle drei wichtigen Aspekte des Lichtes (UV, sichtbares und infrarotes Licht) in einem einigermaßen ausgeglichenen Verhältnis bieten kann, die Quecksilberdampflampe. Leider sind diese Lampen aufgrund ihrer hohen Wattstärke für kleinere Terrarien nicht geeignet.
Wenn Wärme infrarotes Licht ist, wie erzeuge ich dann Wärmegradienten?
Bei Wärme hat man ein Leitvermögen, Wärmekonvektion und Strahlung. Wärmegradienten werden automatisch erzeugt, wenn eine Lichtquelle als Wärmequelle auf einem Terrarium benutzt wird. Die Energie, die die Umgebungslufttemperatur und die Objekte im Terrarium zuerst trifft, ist die Strahlungsenergie. Während die erwärmte Luft dann zu Wärmekonvektion führt, bieten die erwärmten Objekte eine Weiterleitung der Wärme. Die Beschaffenheit der verschiedenen Materialien (Luft, Holz, Glas, Pflanzen, Sand etc.) führt automatisch zu Wärmegradienten. Ein gut eingerichtetes Terrarium erhöht diese Wärmegradienten noch, indem es verhindert, dass die Strahlung das Substrat oder darunter liegende Schichten erreicht.
Man sagt, dass nachtaktive und Fleisch fressende Reptilien kein ultraviolettes Licht brauchen. Ist in diesem Fall eine Glühlampe ausreichend?
Nicht unbedingt! Glühbirnen sind nur in einigen
Fällen die geeignete Lichtquelle für nachtaktive
Reptilien. Wir müssen jedoch in Betracht ziehen, dass
viele nachtaktive Reptilien während des Tages der
direkten oder indirekten Sonneneinstrahlung ausgesetzt
sind. Einige ruhen/schlafen auf Baumstämmen oder treten
tagsüber in Erscheinung; einige sonnen sich absichtlich
tagsüber und fressen in der Nacht und wieder andere
werden vor dem Sonnenuntergang aktiv. Dies bedeutet,
dass eine gewisse Art der Photosynthese auch bei diesen
Arten stattfindet.
Viele Fleisch fressende Reptilien brauchen immer noch
für die Photosynthese und die korrekte Wahrnehmung der
Umwelt, des Fressens und der Signale UV-Licht. Nicht die
gesamte aus Fleisch bestehende Beute kann die benötigte
Menge an Vitamin D3 liefern. Wenn die Leber der Beute
nicht gefressen wird, ist die Menge an aufgenommenem
Vitamin D3 unzureichend.
Also können wir festhalten, dass viele nachtaktive und
Fleisch fressende Reptilien immer noch ein
ausgeglichenes Beleuchtungssystem benötigen und dass
mehr Faktoren als nur der Tag- und Nacht-Zyklus oder die
Einstrahlung von infrarotem Licht in Betracht gezogen
werden müssen.
Was sind die Vor- und Nachteile von Leuchtstoffröhren?
Leuchtstoffröhren sind die sparsamste Lichtquelle –
sowohl im Energieverbrauch als auch im Preis. Sie können
große Mengen an UV zusammen mit akzeptablen Mengen an
sichtbarem Licht ausstrahlen. Je höher die Menge an
sichtbarem Licht, desto niedriger die UV-Ausstrahlung
und umgekehrt. Eine Kombination aus zwei
Leuchtstoffröhren (sichtbar + UV) und einer Basking-
Spot-Lampe (Glühbirne) ist empfehlenswert, da
Leuchtstoffröhren nicht ausreichend Wärme produzieren.
Kompakte Leuchtstoffröhren haben dieselben Spektren und
Ausstrahlungen wie lineare Leuchtstoffröhren. Dank ihrer
kompakten Abmessungen und weil sie ein integriertes
Vorschaltgerät haben, sind sie oft einfacher im Gebrauch
als lineare Leuchtstoffröhren, die noch ein extra
Vorschaltgerät brauchen.
Was sind die Vor- und Nachteile von Quecksilberdampflampen?
Diese Lampen haben alles: UV, viel sichtbares Licht und ausreichend infrarotes Licht. Der Nachteil ist jedoch, dass sie viel Energie verbrauchen (100 Watt und mehr), um ordnungsgemäß funktionieren zu können. Je niedriger die Wattstärke, desto weniger stabil ist die Lampe. Also sind sie nur für sehr große Terrarien geeignet.
Was sind die Vor- und Nachteile von Glühlampen?
Glühlampen sind kostengünstig, aber für sichtbares Licht nicht besonders energiesparend. Als Quelle für infrarotes Licht, um die Umgebungslufttemperatur zu erhöhen oder sie als Basking- Spot-Lampe einzusetzen, sind sie ausgezeichnet. Diese Art der Lichtquelle produziert ebenfalls keine UVB-Strahlung.
Was sind die Vor- und Nachteile von Metall-Haloid (HQI)?
Metall-Haloid sind - abgesehen von den hohen Kosten -
eine der besten Lichtquellen. Sie haben einen hohen
Lichtausstoß, können genügend UV-Strahlung erzeugen und
haben eine hohe infrarote Strahlung. Die Installation
einer solchen Lampe ist sehr teuer, da man ein
Vorschaltgerät und eine besondere Halterung benötigt.
Die neue HCI (Osram) oder CDM (Philips) passt in jede
HQI (Metall-Haloid) Halterung, hat jedoch bei demselben
Energieverbrauch eine höhere Produktion an sichtbarem
Licht. Die Vorteile sind dieselben wie bei der
Metall-Haloid-Lampe.
Was sind die Vor- und Nachteile von Halogenlampen?
Halogenlampen sind energiesparender als herkömmliche Glühlampen, da sie mehr sichtbares Licht produzieren.
Wie viel ultraviolettes Licht bekommen Reptilien in der freien Natur?
Ultraviolette Strahlung wird in Mikrowatt pro Quadratzentimeter (mW/cm2) gemessen. Die Werte am Pol (niedrig) weichen enorm von denen am Äquator (hoch) ab. Der Wert der UVB-Strahlung am Äquator an einem klaren Tag um die Mittagszeit beträgt ungefähr 270 mW/cm2. Dieser hohe Wert nimmt im Laufe des Tages jedoch ab; genauso wie er seit Sonnenaufgang zugenommen hat. Dabei muss man in Betracht ziehen, dass nicht alle Tage klar sind. In der freien Wildbahn sonnen sich die meisten Reptilien fast nur in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag. Den Rest des Tages verbringen sie im Schatten, in Erdlöchern, Felsspalten oder andern schattigen Plätzen oder an verschiedenen Stellen in Sträuchern, Büschen oder Bäumen mit Laub. In tropischen Wäldern, die für viele verschiedene Reptilien und Amphibien ein zu Hause bilden, dringt nur wenig direktes Sonnenlicht durch die Baumwipfel und die Schichten darunter oder erreicht gar den Boden.
Können wir diese Bedingungen in einem Terrarium schaffen?
Ja, absolut; aber…
Heutzutage übersteigen viele herkömmliche Lampen für
Reptilien den Wert von 270 mW/cm2, weil sie
versuchen wollen, die höchste UVB-Strahlung zu zeigen.
Einige übersteigen sogar 2000 mW/ cm2. Dies
ist absolut gefährlich! Besonders wenn man weiß, dass
der 270er Wert der Sonne nur zur Mittagszeit an einem
klaren Tag gemessen wird. Die meisten Lampen haben
jedoch 10 bis 12 Stunden lang einen konstanten Wert.
Reptilien speichern diese UVB-Strahlen während des Tages
(10 bis 12 Stunden). Man braucht also nicht ständig eine
konstante Strahlung von 270 mW/cm2.
Fazit: „Mehr ist nicht immer besser”!
Welche Rolle spielt die Beleuchtung bei der Haltung von Reptilien?
Licht hat mehrere Funktionen:
- Kennzeichnung eines Nacht/Tag-Zykluses
- Bereitstellung von Licht, um ordentlich sehen zu können
- Wahrnehmung der Umwelt (sichtbar & UV)
- Agonistische und Signal-Kommunikation (sichtbar & UV)
- Physiologisches Wohlbefinden (UVA)
- Photosynthese von Pro-Vitamin D3 (UVB)
- Farbgebung ist abhängig von der Lichtintensität
- Thermoregulierung (infrarot)
Wird die Bedeutung des Lichtes oft unterschätzt?
Ja, absolut. Besonders wenn es um die Intensität sowohl von UV als auch von sichtbarem Licht geht. Die Bedeutung von hohen Mengen an UVB wird jedoch oft genug überbewertet: „Mehr ist nicht immer besser“. Bei der Beleuchtung gibt es viele Aspekte und es ist wichtig ein ausgeglichenes Beleuchtungssystem zu bieten. Es muss sowohl simple Aspekte, wie einen Tag- und Nacht-Zyklus, als auch komplexere Themen, wie die Photosynthese, abdecken. Leider benutzen Verbraucher oft nur Glühlampen, die in den meisten Fällen völlig unzulänglich sind.
Wie ist die Beziehung zwischen Reptilien und der Sonne?
Die Sonnenenergie treibt letztendlich alles Leben auf der Erde an und Reptilien bilden hier keine Ausnahme. Wenn wir diesen überlebenswichtigen Aspekt der Energie Tieren in Gefangenschaft nicht zur Verfügung stellen, werden wir keine gedeihenden Terrarienbewohner haben; ganz zu schweigen von der Fortpflanzung.
With special thanks to Dr. Luc Lambrechts, Wilrijk (Belgium) for the veterinarian images.
